Türkischer Hintergrund

Religion und Tradition in der Türkei

Die Türkei ist eines der uns sowohl geografisch wie auch kulturell nahestehendsten islamischen Länder. 85% der Erwachsenen sind alphabetisiert und 73% der Bevölkerung lebt in Städten. Die wichtigsten Minderheitsgruppen sind die Kurden und Araber, des Weiteren noch Armenier und Juden. Amtssprache ist Türkisch.

Die Türken sind großteils Sunniten, ein orthodoxer Abzweig des Islams, dem die meisten Muslimen auf der Welt gehören. Der muslimische Glaube hat eine sehr ähnliche Abstammung wie der christliche: sie sehen Adam, Abraham, Moses und Jesus als Propheten (Christus ist hier, wie bei den Juden, nicht Sohn Gottes), haben aber auch noch einen weiteren Propheten, Mohammed. Ein großer Unterschied zum Christentum besteht darin, dass der Islam über kein Priestertum verfügt, die Moscheen sind nur Orte, an denen man sich zum Beten trifft, jeder erwachsene Mann kann Iman (Vorbeter) sein. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass sich diese Religion seit 1400 Jahren kaum verändert hat (für einen Christen wahrscheinlich schwer vorzustellen), und dass sich viele Islamstaaten heute noch nach Gesetzen, die damals festgelegt wurden, richten, d. h., bis heute noch keine Französische Revolution oder Reformation durchgemacht haben.

Die türkische Tradition ist sehr religionsgebunden, hat also viel mit anderen islamischen Ländern gemeinsam. Das fünfmalige Gebet erlaubt den Muslimen nicht seine religiösen Verpflichtungen zu vergessen; der Ramadan (Fastenzeit) bestärkt die Gemeinschaft; der Sakat verpflichtet die Reichen dazu ihr Geld mit den Ärmeren zu teilen (2,5% des Jahreseinkommens muss weitergereicht werden); ...

In der Familie ist der Mann das Oberhaupt, er muss den Lebensunterhalt einbringen und die Familie beschützen. Die Frau bleibt zu Hause und hat sich um die häuslichen Verpflichtungen zu kümmern, sowie um die Erziehung der Kinder. Die Kinder haben die Eltern zu respektieren und ihnen Gehorsam zu erweisen, später haben sie sich auch um die Versorgung der Eltern zu kümmern.

In der islamischen Gesellschaft ist das freie Treffen zwischen Männern und Frauen untersagt. Es darf keinen Sex vor der Ehe geben, Männer und Frauen müssen verhüllt und verschleiert auf die Straße. In der Türkei ist das Alles heute kein Muss mehr.
Noch ein wichtiger Punkt in der islamischen Kultur ist, dass man keine fremden Sitten annehmen darf; man soll sich liberal und tolerant gegenüber anderen Kulturen verhalten, soll auch alle sinnvollen wissenschaftlichen Errungenschaften annehmen, jedoch nicht ihre Sitten, denn das wäre als würde man die eigene Unterlegenheit unterschreiben.

Vieles mag sehr fremd erscheinen, aber wir müssen bedenken, dass es in Europa vor nicht allzu langer Zeit nicht anders war. Außerdem müssen wir auch berücksichtigen, dass man in der Türkei vieles von dem oben Genannten nur noch auf dem Land findet.

 

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